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Wirtschaft und Handel
Die wirtschaftliche Stärke der Tschechischen Republik lag immer in ihrer Industrie, welche qualitativ hochstehende Güter herstellt, die in entwickelten Wirtschaften guten Absatz finden. Dies führte jedoch zu einer ausgeprägten Exportabhängigkeit, welche sich in der Krise negativ auswirkte. Vor allem die Autoindustrie ist betroffen, sowie der Tourismus. Im Jahr 2009 schrumpfte die tschechische Wirtschaft um 3.9%.
In den ersten Monaten des Jahres 2010 zeigen sich allerdings erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Für 2010 rechnet die Nationalbank mit einem Wachstum von 1.4%. , für 2011 mit 2.1%. Die Prognosen werden gegenwärtig nach oben korrigiert. Die Inflation betrug 2009 1%, für die folgenden Jahre rechnet die Nationalbank mit 2% und 1.8%.
Die Arbeitslosigkeit betrug im Januar 2009 6.8% und stieg im Verlauf des Jahres auf annähernd 10%. Daran soll sich gemäss den aktuellen Prognosen zumindest im laufenden Jahr nichts ändern. Die regionalen Unterschiede sind sehr gross. Im städtischen Ballungszentrum Prag liegt die Quote bei 3.5%, in den Gebieten der ehemaligen Schwerindustrie sind es 10% bis 13%. Die Zahl ausländischer Arbeitnehmer in Tschechien betrug anfangs 2009 beinahe 300'000, bei Jahresende waren es noch 240'000. 2009 belief sich das Defizit auf annähernd 6% des BIP, für 2010 wird mit 5.3% gerechnet. Die Vorgabe für 2011 liegt in Moment bei 4.8%. Allerdings ist anzufügen, dass sich Tschechien mit einer Gesamtverschuldung von 35.6% in einer vergleichsweise komfortablen Lage befindet.
Nach wie vor gilt, dass es der Tschechischen Republik seit der Wende von 1989 gelungen ist, stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Dies wiederum lässt den Schluss zu, dass in Tschechien die Entflechtung der politischen und wirtschaftlichen Machtstrukturen weiter fortgeschritten ist als in einigen anderen mittel- und osteuropäischen Staaten, die nach wie vor von alten Seilschaften und verfilzten Eliten geprägt sind. Dennoch gibt es auch Stimmen, die eine Zunahme der Korruption feststellen, vor allem in den letzten Jahren. Diese ist nicht „flächendeckend“, sondern scheint sich an Schnittstellen zwischen „Staat“ und „Wirtschaft“ zu ballen.
Unter den Handelspartnern der Schweiz in der EU belegt Tschechien bei den Importen in die Schweiz den zehnten, bei den Exporten den elften Rang, wobei bei den „neuen“ Mitgliedstaaten Tschechien auf Platz eins betreffend Importe und betreffend Exporte hinter Polen auf Platz zwei liegt. Gemäss tschechischen Statistiken lag die Schweiz 2009 mit einem Anteil von 1.6% an 14. Stelle der tschechischen Exportpartner. An den tschechischen Importen hatte sie einen Anteil von 1.2% und lag damit auf Rang 17.
2009 exportierte Tschechien in die Schweiz vor allem Fahrzeuge/Flugzeuge (Anteil am Gesamtvolumen 21.3% / Veränderung gegenüber dem Vorjahr -13%) nicht-elektrische (31.4% / +27.7%) und elektrische Maschinen (15.6% / -23.2%) und unedle Metalle und Waren daraus (8.1%/-25.5%). Es importierte pharmazeutische Erzeugnisse (Anteil 23.2%, Veränderung -2.4%), nicht-elektrische (15.9% / -33.1%) und elektrische Maschinen (11.9% / -29.4%), und unedle Metalle und Waren daraus (8.5% / -24.3%).
Im Jahr 2009 war der bilaterale Handel erstmals rückläufig: Die Schweiz importierte aus Tschechien Waren im Wert von 1698 Mio. CHF, 6.4% weniger als im Vorjahr. Tschechien importierte für 1477 Mio. CHF Waren aus der Schweiz, 20.3% weniger als 2008. Damit fiel die Handelsbilanz, die im Vorjahr praktisch ausgeglichen war, erstmals zu Gunsten Tschechiens aus.
Mit einem Anteil von 4.2% der kumulierten Investitionen seit 1998 lag die Schweiz 2009 auf dem sechsten Platz. Es fällt auf, dass sie sich Jahr für Jahr nach vorn gearbeitet hat. Eventuell stammen nicht alle dieser Gelder ausschliesslich aus der Schweiz, sondern werden über den Finanzplatz Schweiz geleitet und in der Statistik als „schweizerisch“ erfasst. Unter den 10 grössten Investoren des Jahres 2009 ist die Schweiz allerdings nicht vertreten.
Die wichtigsten „traditionellen“ Investoren aus der Schweiz sind ABB, Atel/Alpiq, Holcim, Lonza, Nestlé, Rieter, Ringier, Novartis und Vetropack. Dazu haben sich zahlreiche KMUs, vor allem der Maschinenbranche, in Tschechien niedergelassen. Insgesamt sind etwa 300 schweizerische Unternehmen in der tschechischen Republik tätig, wovon etwa 100 eine Produktionsstätte und die anderen eine Vertretung betreiben. Der überwiegende Teil der Schweizer Firmen in Tschechien wird von Tschechen geleitet.
